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30 Jahre Trakehnen Verein – Erhaltung des kulturellen Erbes Trakehnens

Published On: März 26, 2023Categories: Aktuelles, Historie

Dr. Horst Willer (März 2023)

Für viele Menschen war erst am Ende des “Kalten Krieges“ wieder eine Reise nach Trakehnen in die russische Enklave Kaliningrad möglich. Die Berichte der ersten Besucher Trakehnens nach der Grenzöffnung 1992 waren niederschmetternd. Dass Trakehnen nun die offizielle Ortsbezeichnung Jasnaja Poljana trug – so hieß auch das Landgut des großen russischen Schriftstellers Leo Tolstoi -war nur eine Äußerlichkeit. Auch dass auf den weitläufigen  Weiden  Trakehnens seit Kriegsende keine Pferde mehr grasten, war bereits im Westen bekannt. Aber nur wenig von dem, was die Größe, den Glanz und die Einmaligkeit jenes Paradestücks der Preußischen Gestütsverwaltung ausmachte, war noch übrig geblieben oder nur noch in der Grundstruktur und in Spuren sichtbar.  Aus der ehemaligen Sowchose in Jasnaja Poljana war nach der Wende eine Agrargenossenschaft entstanden. Deren Rindviehbestände waren in den noch teilweise vorhandenen aber baufälligen ehemaligen Stuten- und Fohlenställen sowie dem  legendären Auktions- und Jagdstall, die innen wie außen großen Schaden genommen hatten, mehr schlecht als recht untergebracht. Die Sommerresidenzen – Paddocks – der Hauptbeschäler konnten nur noch in ihren Grundmauern ausgemacht werden. Der legendäre Gasthof Elch war als Lagergebäude unversehrt geblieben, ebenso die ehemalige Apotheke, die heute als Gasthaus dient und in die Besucher gerne einkehren. Auch das Trakehner Tor, das Landstallmeisterhaus, auch Trakehner Schloss genannt, und das ehemalige Reitburschenhaus, deutlich gezeichnet durch den Zahn der Zeit, waren einigermaßen heil geblieben. Im Trakehner Schloss – es war bereits 1790 erbaut worden – haben zwölf Landstallmeister residiert. Von dort aus haben sie die Geschicke des riesigen Hauptgestüts geleitet.

Trakehner Schloss im bedauernswerten Zustand in den 80-er Jahren

 

Der Förderverein wurde aus der Taufe gehoben

Das Trakehner Schloss dem endgültigen Verfall preiszugegeben, dies konnte keineswegs hingenommen werden. Den Herren Dietrich v. Lenski, Klaus Hagen – beide in Ostpreußen geboren – und Lars Gehrmann, Geschäftsführer des Trakehner Verbandes, ist es zu verdanken, dass es am 13. April 1993 auf Initiative des Trakehner Verbandes und der Kreisgemeinschaft Ebenrode/Stallupönen zur Gründung des Vereins der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestüts Trakehnen e. V. kam. Den Gründungsmitglieder des sog. Trakehnen Vereins ging es nicht nur um die bauliche Restaurierung des ehemaligen Trakehner Schlosses und des Reitburschenhauses, sondern auch um humanitäre Hilfe für die dort  lebenden Menschen. Ein guter Ansatzpunkt hierfür bot die regionale Haupt- und Realschule mit seinen ca. 300 Schülern. Von Anfang an gehörten dem Trakehnen Verein mehr als 120 Mitglieder aus Deutschland, den USA, Frankreich, Luxemburg Schweiz und Schweden an. Sehr schnell entwickelte sich zwischen der russischen Seite – hier ist an erster Stelle die Schulleiterin, Frau Elena Sanjuk, zu nennen- und dem Trakehnen Verein eine vertrauensvolles Klima guter Zusammenarbeit.

Der Verein der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestüts Trakehnen.e.V. hat in den vergangenen 30 Jahren

mit Unterstützung seiner Mitglieder sowie unter Einsatz von Spendengeldern und in enger Kooperation mit der Schulleitung und den örtlichen Behörden umfangreiche Renovierungsarbeiten am Trakehner Schloss, dem Reitburschenhaus und dem Trakehner Tor durchführen lassen. So wurden in einem ersten Schritt die Grundmauern trocken gelegt, neue Fenster eingesetzt, die Fassaden  renoviert und die Toiletten modernisiert. Auch konnten die Dächer auf dem Landstallmeisterhaus und dessen beiden Seitenflügeln total erneuert werden.  Hierfür standen nur in begrenztem Maße Mitgliedsbeiträge (z. Zt. ca. 100 Mitglieder) und Spendengelder zur Verfügung. Einen größeren Anteil der Finanzierungskosten konnten auf Antrag aus öffentlichen Mitteln der Bundesministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMLEV) sowie Kultur und Medien (BKM) gedeckt werden

Im Jahr 2007 konnte auf Einladung der Schulleitung und unter Beteiligung des Trakehnen Vereins in Trakehnen erstmalig wieder nach dem 2. Weltkrieg das 275-jährige Gründungsjubiläum des ehemaligen Hauptgestüts gefeiert werden. Zu der Festveranstaltung waren mehr als 120 Gäste aus ganz Europa gekommen. Das russische Lehrerkollegium und die Schüler mochten den Kontakt zu uns Deutschen nicht mehr missen. Die Reiterliche Vereinigung (FN) hat in der Vergangenheit jährlich zwei Reisen nach Trakehnen und in das ehemalige Ostpreußen angeboten und durchgeführt. Trakehnen war zudem für viele Besucher aus aller Welt wieder mehr und mehr zu einem attraktiven Reiseziel geworden. Leider musste Herr Klaus Hagen Ende 2007 aus gesundheitlichen Gründen seinen Vorsitz abgeben. In Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Bloech fand der Trakehnen Verein einen würdigen und einsatzbereiten Nachfolger Herr Bloech ist emeritierter Professor und hatte über viele Jahre den Lehrstuhl für Betriebswirtschaft in Göttingen inne. Er ist Landwirtssohn, gebürtiger Ostpreuße und war seit der politischen Wende in Kaliningrad als Honorarprofessor tätig. Herr Prof. Dr. Bloech hat sich in der Folgezeit mit Elan für die Ziele des Trakehnen Vereins eingesetzt. Ihm gilt auch unser besonderer Dank.

Besucher verweilen am Trakehner Tor – in der Mitte Bernd Klausing – unser Schatzmeister

Trakehner Schloss im neuen Gewand

 

Das Ehepaar Inge und Wolfgang Tietze entdeckt ihr Herz für Trakehnen

2006 konnte der lange gehegte Wunsch des Ehepaares Tietze, an den Geburtsort Trakehnen  von Inge Tietze zurückzukehren, verwirklicht werden. Der Besuch dort, wo sie gleich freundlichen Kontakt mit der Lehrerschaft und den Schülern fanden, hatte es dem Ehepaar Tietze angetan und sollte nicht ohne Folgen bleiben. Das Ehepaar Tietze war sich schnell  bewusst geworden, dass die Schüler und Schülerinnen sowie die Lehrkräfte, die Ihnen offenen Herzens begegnet waren, auch ihre Unterstützung brauchen konnten. Zunächst sollten die jungen Menschen, die Schüler und Schülerinnen, eine besondere Förderung erfahren. Darüber hinaus wurden Fördermittel für die Weiterbildung des Lehrerpersonals und die Beschaffung von Lehr- und Lernmitteln zur Verfügung gestellt. Auch für die weitere bauliche Sanierung des Trakehner Schlosses und seiner Nebengebäude waren sie bereit, erhebliche finanzielle Mittel aus ihrer Stiftung bereit zu stellen. Schon bald wurden die dringendsten Reparaturarbeiten angegangen: Angefangen von der Isolierung des Hauptgebäudes, der Erneuerung der Elektroanlage in dessen Innenräumen , dem Einzug einer neuen Decke in dessen linken Flügel, der Generalüberholung der Heizung und Innenräume  im Internatsgebäude, dem Bau einer Notausgangstreppe am zweiten Schulgebäude, dem ehemaligen Reitburschenhaus,  bis hin zur ordnungsgemäßen Befestigung der Wege zur Turnhalle und zum Internat sowie der baulichen Neugestaltung des Inneren der Turnhalle Um die Zukunft der Schule an diesem Standort zu sichern, ging die Inge und Wolfgang Tietze – Stiftung die Verpflichtung ein, weitere Sanierungsprojekte zu finanzieren, darunter insbesondere den Bau einer völlig neuen kompletten Heizungsanlage für alle Schulgebäude unter stilgerechter Wiedererrichtung der Remise und den Ausbau von drei Wohnungen im 1. Stock des rechten Flügels für junge Lehrkräfte.  Auf deren Initiative hin geschah weiterhin viel Positives in Trakehnen. So konnte  die Auffahrt und ursprüngliche Ziermauer vom Trakehner Tor zum Haupteingang hin vor dem Trakehner Schloss  in ihrer ehemaligen Ausprägung wieder hergerichtet werden. Im Hauptgebäude konnten  zudem alle Räume mit neuen Heizkörpern ausgestattet  und über  Kupferrohre mit dem Heizungssystem des Kesselhauses in der Remise verbunden werden. Zuvor wurden die Räume sehr kostenaufwendig mit Elektroaggregaten geheizt.  Für die Finanzierung all` dieser Renovierungsmaßnahmen sei der Inge und Wolfgang Tietze – Stiftung, 59387 Ascheberg-Herbern, seitens des Trakehnen Vereins an dieser Stelle erneut vielmals gedankt. Schließlich wurde auch die ehemalige Terrasse, die auf der Ostseite des Landstallmeisterhauses hinaus in den Park führt, von Grund auf erneuert. Nicht zuletzt wurde mit all` diesen Renovierungsmaßnahmen dem ehemaligen Landstallmeisterhaus, das bereits um das Jahr 1790 herum gebaut worden ist, ein Teil seiner ursprünglichen Ausstrahlung und Würde zurückgegeben.

 

Da ehemalige Reitburschenhaus nach einer ersten Renovierung

Die neue Ziermauer und Auffahrt vor dem Eingang zum Trakehner Schloss

 

Eine weitere Nachbildung des Tempelhüter Standbildes kehrt zurück 

Die Identifikation des Lehrerkollegiums und der Schülerschaft mit dem historischen Erbe ist bewundernswert. So ist auf Anregung und mit Unterstützung des Trakehnen Vereins ein kleines Museum im Hauptgebäude entstanden, das den Besuchern Ausblicke in die ruhmreiche Vergangenheit Trakehnens geben soll. Viele Menschen, die jenes ehemalige sprichwörtliche Pferdeparadies in jüngerer Zeit besucht haben, sind besonders erfreut darüber,  dass  eine weitere Nachbildung des legendären Tempelhüters nun wieder seit September 2013 auf seinem angestammten Platz vor dem ehrwürdigen Trakehner Schloss steht. Dieser lobenswerte Tatbestand geht auf eine Initiative des Vereins “Hilfe für Trakehnen zurück. Schon seit vielen Jahren fand der vom Trakehnen Verein ins Leben gerufene deutsch/russische Schüleraustausch großen Anklang. Partnerschule in Deutschland ist die Freie Waldorfschule in Dresden. Bislang haben insgesamt fünfzehnmal russische Schuler/innen und einige Lehrer für etwas mehr als eine Woche Deutschland besucht. Erfreulich ist, dass an der russischen Schule in Jasnaja Poljana mit Erfolg auch Deutschunterricht erteilt wird. In der jüngsten Vergangenheit gelang es noch, das kleine Museum auf fünf Räume zu erweitern und auszubauen. Dies hat den Vorteil , dass die Besucher später mal noch etwas mehr von der Größe und Einmaligkeit Trakehnens, dem sprichwörtlichen Paradies der Pferde, erfahren können. In allen fünf Räumen wurden die Fußböden und Elektroleitungen neu verlegt, neue Durchgänge geschaffen und neue Türen eingesetzt sowie die Decken und Wände gestrichen oder tapeziert.

Nachdem Herr Prof. Dr. Bloech auf der letzten Jahresmitgliederversammlung im Oktober 2022 sich bereit erklärt hatte, gern den Führungsstab in jüngere Hände zu übergeben und Herr Dr. med. vet. Peter Richterich bereit war den 1. Vorsitz zu übernehmen, wurde dieser dann auch einstimmig in sein neues Amt gewählt.

 

Der “neue“ Tempelhüter auf seinem angestammten Platz vor dem Trakehner Schloss

  

Der russisch- Ukrainische Konflikt – hoffentlich nur eine vorrübergehende Zäsur

Schweren Herzens sah sich angesichts des schrecklichen russisch/ukrainischen Konfllkts der Vorstand des Trakehnen Vereins gezwungen, um in politischer Hinsicht keine Fehler zu begehen, zunächst die bisherige fruchtbare Kooperation mit unseren russischen Freunden zur Erhaltung des dortigen kulturellen Erbes in Trakehnen ruhen zu lassen, Wir hoffen gemeinsam mit unzähligen Menschen darauf, dass schon bald die Waffen nieder gelegt werden mögen und eine baldige Verständigung vor allem mit der russischen Bevölkerung wieder möglich sein wird

Insofern möchte der Trakehnen Verein an zwei Vorhaben für die Zukunft festhalten, der Ausstattung des Museums und der Wiedererrichtung des Turmes auf dem Trakehner Schloss. Bei der Einrichtung des Museums geht es um die Bestückung der Räume mit Vitrinen, möglichst vielen Exponaten, Informationstafeln und Displays. Verständlicherweise müssen wir uns, was die Exponate anlangt, vielfach auch mit Kopien begnügen. Im Hinblick auf die Finanzierung auch dieses Vorhabens und die Bereitstellung von möglichst vielen Exponaten sind wir schon jetzt allen bereitwilligen Sponsoren dankbar. Es geht mit diesem Projekt darum, am Ursprungsort der Trakehner Reitpferdezucht eine informative Stätte der Rückbesinnung auf die ruhmreiche Vergangenheit des ehemaligen preußischen Hauptgestüts zu schaffen. Bei der Wiedererrichtung des Turmes auf dem Trakehner Schloss hingegen geht es um die Wiedererkennung und die Vollendung des Herzstückes jener großartigen ehemaligen Gestütsanlage. Für die Besucher dürfte es ein Lichtblick sein, wenn sie später mal zumindest das Landstallmeisterhaus annähernd in seiner ursprünglichen Ausprägung erleben können

Blick in das kleine Museum im Trakehner Schloss

 

Bitte helfen Sie uns bei der Bewahrung und Sicherung des hippologischen Kulturerbes Trakehnen. Über neue Mitglieder (Jahresbeitrag 40,- Euro) würden wir uns freuen und für Spendenbeiträge sind wir dankbar.

1. Vorsitzenden: Dr.med. vet. Peter Richterich – Rückamp 5 – 59269 Ennigerloh – peter@richterich.net – 0162 3052902

Schatzmeister: Bernd Klausing – Fünfhäuser Straße 5 – 31832 Springe – 05041- 5052,

 

www.trakehnenverein.de

Bankverbindung: Sparkasse Südholstein – IBAN DE68 2305 1030 0000 2847 26

 

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