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Presse.

 

Filmtipp "Trakehner – Des Königs letzte Pferde"

Nachrichten rund um die Schule in Jasnaja Poljana (Der Trakehner 05/2013)

Artikel Dr. H. Willer: Die Heimat bleibt unvergessen - Ein Mäzen für Trakehnen (Der Trakehner 02/12)

Artikel Dr. H. Willer: Baubeginn für den Turm auf dem Trakehner Schloss (Der Trakehner 10/10)

Artikel Dr. H. Willer: Das unvollendete Trakehner Schloss (Der Trakehner 10/09)

Artikel Dr. H. Willer: Trakehnen ist wieder eine Reise wert! (Der Trakehner 07/07)

Interview mit Klaus Hagen: Eine Schule erhalten – Freunde gewonnen (Trakehner Hefte 07/04)


 

 

 

 

 

"Schöne und traurige Nachrichten rund um die Schule in Trakehnen"

Wie die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Der Trakehner" berichtet, haben sich die Schüler und das Kollegium der Schlossschule in einem ausführlichen Brief bei allen Mitgliedern und Unterstützern für die anlässlich des Tages des heiligen Valentin im Frühjahr diesen Jahres übersandten Geschenke bedankt. Neben dem Verweis auf die erfreulicherweise wieder aufgenommene und intensivierte Partnerschaft zur Waldorfschule in Dresden berichtet die Direktorin der im Landstallmeisterhaus beheimateten "Samkowskaja Mittelschule" weiterhin über den Fortgang der Bauaktivitäten im Zuge der geplanten Wiedererrichtung des Schlossturmes. Darüber hinaus, so Frau Sanjkuk in ihrem Brief, ist bis 2015 die Errichtung eines neuen, modernen Schulgebäudes für bis zu 500 Schüler vorgesehen.
Ein sehr traurige Nachricht erreichte den Verein in Bezug auf einen weiteren Teil des bisher noch vorhandenen Gebäudekomplexes im ehemaligen Hauptgestüt. Ende Febraur diesen Jahres brach in dem von 4 Familen bewohnten ehemaligen Gestütssekretariat ein Feuer aus. Sie verloren dabei ihre gesamte Lebengrundlage und wurden zunächst im Internat der Schule untergebracht. Damit ist auch das Vorhaben, dieses der wenigen verbliebenen originalen Gebäude zu sanieren, gescheitert.


Dr. Horst Willer

Die Heimat bleibt unvergessen

Die Inge und Wolfgang Tietze Stiftung aus Ascheberg (Westf.) hat in den letzten Jahren für die Realschule im ehemaligen Trakehner Schloss große finanzielle Opfer gebracht. Bedauerlicherweise hat es die russische Seite an der nötigen konstruktiven Kooperationsbereitschaft fehlen lassen.

Olympiade 1936 in Berlin: Die großartigen Erfolge der Trakehner Pferde in der Military und der Dressur waren in aller Munde. Sie hatten mit ihren Reitern acht Medaillen errungen, darunter vier Goldmedaillen. Eindrucksvoller konnte das große sportliche Leistungsvermögen der Trakehner Rasse nicht unter Beweis gestellt werden. Aus jenem Anlass hatte das Preußische Hauptgestüt Trakehnen zehn hochwertige Verkaufspferde nach Berlin in die Nähe der Berliner Deutschlandhalle entsandt. Ihr Betreuer war der junge Gestütswärter Franz Ottenberg. Von dieser verantwortungsvollen Mission, die ihm ermöglichte das reitsportliche Großereignis in Berlin mitzuerleben, schwärmte Franz Ottenberg später noch, als er nach dem Ende des Krieges wieder als Gestütsleiter im Vollblutgestüt Moormann in Werne Fuß fassen konnte. Die Ottensbergs waren in Trakehnen eine große Sippe und Pferdeleute durch und durch. Karl Ottenberg war als Oberstutmeister lange Jahre Leiter der berühmten Braunen Herde in Kalpakin. Sein Bruder, Johann, Vater von Franz Ottenberg, war in gleicher Funktion Stutmeister bei der Fuchsherde in Bajorgallen.

Wozu diese Vorgeschichte? Diese Menschen haben wie viele andere, die infolge des schrecklichen Krieges ihre Heimat verloren haben, Nachkommen, sofern ihnen das Glück beschieden war, die grausamen Kriegswirren zu überleben. So war Inge Tietze, Tochter des Franz Ottenberg, gerade mal sechs Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter Magarethe geb. Rose, und ihren zwei Geschwistern sich auf der Flucht vor den heran nahenden feindlichen russischen Truppen auf den großen Treck gen Westen begeben mussten. Es war an jenem 17. Oktober 1944, morgens in aller Frühe, als Landstallmeister Ehlert endlich die Erlaubnis erhielt, Trakehnen vollständig räumen zu lassen. Seine lang erwogenen Pläne, die Trakehner Pferde in zehn Herden zu je achtzig Tieren mit jeweils drei Begleitern in Marsch zu setzen, wurden in die Tat umgesetzt. So war auch Franz Ottenberg an der Spitze einer dieser Herden, die, welch` Wunder, alle ohne erhebliche Verluste zunächst das vierundfünfzig km entfernte Landgestüt Georgenburg in der Nähe von Insterburg erreichten. Von dort nahm die Odyssee der Flüchtlinge ihren weiteren ungewissen und entbehrungsvollen Verlauf. Während Franz Ottenberg sich bis nach Schleswig- Holstein durchschlagen konnte, war es dem übrigen Familienteil gelungen, mit dem Trakehner Treck bis zum ehemaligen Remontedepot in Perlin in Mecklenburg- Vorpommern zu gelangen, wo sich im Frühjahr 1945 auf vielen Umwegen doch 350 Trakehner Pferde und zahlreiche Flüchtlinge eingefunden hatten. Oberlandstallmeister Dr. Ehlert und sein Gestütsoberrentmeister Alshuth versuchten hier in äußerster Notlage ihrer Verantwortung für Mensch und Tier gerecht zu werden. Als dann später das von den westalliierten Siegermächten besetzte Mecklenburg- Vorpommern in russische Hände überging, war nicht nur das Schicksal der noch zahlreich geretteten Trakehner Pferde besiegelt, sondern auch eine große Zahl der Ostflüchtlinge strebten aus Furcht vor den Russen in den Westen, darunter auch Margarethe Ottenberg mit ihren Kindern. Über den Suchdienst des Roten Kreuzes konnte die Familie Ottenberg schließlich in Schleswig- Holstein wieder zueinander finden. Vorübergehend ergab sich für Franz Ottenberg eine Anstellung im Landgestüt Celle. Welch` ein Zufall ? Bei den Pferden treffen sich alte Bekannte immer wieder. Auch der ehemalige Trakehner Gestütsveterinärrat Dr. Otto Meyer war nach Celle gelangt, wo er Franz Ottenberg für dessen weiteres berufliches Fortkommen behilflich sein konnte.
Was konnte jenem passionierten Pferdemann Besseres passieren, als eine Anstellungsempfehlung in einem renommierten Vollblutgestüt zu bekommen. Daraufhin konnte Franz Ottenberg bei der Familie Moorman und in dessen Vollblutgestüt Werne über zwei Jahrzehnte hin sein fundiertes Können und Wissen als Gestütsleiter einbringen. In den 50-er und 60-er Jahren spielte das Gestüt Moormann im deutschen Galoppsport eine große Rolle. Es stellte mehrere Sieger, so den bekannten Waldspecht xx von Abendfrieden. Tochter Inge und ihr späterer Ehemann Wolfgang Tietze, der schlesische Wurzeln hat, haben oft erlebt, dass Franz Ottenberg ganze Nächte während der Abfohlzeit im Gestütsstall verbrachte, um sicher zu gehen, dass das Fohlen ohne Schaden zur Welt kommt.

Vieles von den Erinnerungen ihres Vaters an seine Heimat Trakehnen, über die er oft im Familien- und Freundeskreis berichtete, hat sich tief in das Gedächtnis seiner Tochter und seines Schwiegersohnes eingegraben. Leider mussten sie lange warten, bis wieder eine Reise nach Trakehnen möglich war, um aus eigener Anschauung zumindest das unverwechselbare Naturerlebnis dort in sich aufzunehmen. Die Nachricht, dass dort nicht mehr die edlen Pferde mit der halben Elchschaufel anzutreffen sind, war auch ihnen bekannt. Als es dann Ende der achtziger Jahre mit der Beendigung der militärischen Konfrontation zwischen Ost und West zu einer Auflösung der Sowjetunion kam, wurde das ehemalige Nordostpreußen, das eine russische Enklave bildete, wieder zugänglich. Bedauerlicherweise musste das Ehepaar Tietze ihre erste Fahrt ins ferne Ostpreußen nach Trakehnen, das jetzige Jasnaja Poljana, im Jahr 1991 abbrechen, da infolge der unzähligen Schlaglöcher ihr Auto zu Schaden gekommen war. Dennoch blieb die Sehnsucht, mal an den Geburtsort zurück zukehren. Mit der Beteiligung an einer Gruppenreise in die Masuren und den russischen Teil Ostpreußens im Jahr 2006 konnte schließlich jener Wunsch befriedigt werden. Wie viele andere Besucher aus Deutschland wurden Inge Tietze und ihr Mann von der Direktorin der Realschule, Frau Elena Sanjuk, im ehemaligen Landstallmeisterhaus, freundlich empfangen. Ihr Reiseleiter, Jurij Urykov, eine ehemaliger russischer Offizier und der deutschen Sprache mächtig, der auch späterhin noch für das künftige Engagement der Tietzes in Trakehnen nützlich sein sollte, leistete wertvolle Dolmetscherdienste. Dank der schon beachtlichen Restaurationsarbeiten an jenem Hauptgebäude sowie dem Reitburschenhaus, die durch entsprechende Fördergelder des Trakehnenvereins ermöglicht wurden, hatte das ehrwürdige Trakehner Schloss wieder zumindest einen Teil seines alten Glanzes zurück gewonnen. Dies und die Tatsache, dass durch die zahlreichen Schüler/innen ein lebendiges Miteinander in der dort ansässigen Schule herrschte, stimmten die Besucher versöhnlich.

Wärmeschutz-Fassadensanierung ... ... außen (2010) ... und innen (rechter Flügel)

Aus noch eigenem Erleben wusste Inge Tietze, dass ihr Elternhaus in unmittelbarer Nähe zum Hauptbeschälerstall gestanden hatte. Leider fanden sich an jenen Orten nur noch spärliche Bauruinenreste. Dies wiederum löste Wehmut aus, zumal die kindliche Erinnerung an eine gepflegte parkähnliche Gestaltung des ehemaligen häuslichen Umfeldes im starken Kontrast stand zu der chaotischen Wildnis, die sich heute dort mit Buschwerk, Tümpeln und Brennnesseln darbot. Aber da gab es ja noch das Wirkungsfeld ihrer Tante, Johanna Rose, an die sie unwillkürlich beim Gang durch die Räume des ehemaligen Landstallmeisterhauses denken musste. Johanna Rose, zu der sie als Kleinkind eine besonders liebevolle Beziehung hatte, war die verantwortliche Köchin im Trakehner Schloss. Täglich hatte sie für das leibliche Wohl nicht nur der Familie des Landstallmeisters, sondern auch für die im Haus tätigen Sekretäre und willkommene Gäste zu sorgen. Viele hoch gestellte Persönlichkeiten aus aller Welt waren zu jener Zeit im Trakehner Schloss zu Gast. Im großen Esssaal, zur Parkseite hin gelegen, konnten mit zusätzlichen Tischen und Stühlen maximal 70 Personen Platz finden. Anlässlich der Reitpferdeauktionen war die Zahl der eingeladenen Gäste besonders groß. Es ist überliefert, dass sich Landstallmeister Dr. Ehlert bei der Einladung seiner Gäste eines Tricks bediente, um nicht mehr Gäste zu Tisch gebeten zu haben als Plätze verfügbar waren und letztlich auch keinen Ärger mit seiner Köchin zu bekommen. So war seine Rocktasche mit soviel Erbsen gefüllt, wie er seinen Gästen im Großen Esssaal Platz bieten konnte. Nach jeder ausgesprochen Einladung griff Dr. Ehlert in die Tasche und ließ möglichst unauffällig eine Erbse zu Boden fallen.
Der Besuch in Trakehnen hatte es dem Ehepaar Tietze angetan und sollte nicht ohne Folgen bleiben. Sie waren sich bewusst geworden, dass die Schüler und Schülerinnen sowie die Lehrkräfte, die Ihnen offenen Herzens begegnet waren, auch ihre Unterstützung brauchen konnten. Wolfgang und Inge Tietze gründeten eine Stiftung, in die sie einen großen Teil ihres Vermögens einbrachten. Damit waren die Voraussetzungen für ein umfangreiches Hilfsprogramm zugunsten der Realschule in Jasnaja Poljana geschaffen. Wolfgang Tietze, der langjährig erfolgreich in der Pharmaindustrie tätig gewesen war und sich zudem über zwanzig Jahre hinweg ehrenamtlich als stellvertretender Landrat im Kreis Coesfeld eingebracht hatte, kam dann in den Verhandlungen mit den russischen Behörden seine langjährige Berufs- und Lebenserfahrung zu Gute. An seiner Seite hatte er jenen bereits erwähnten Jurij Urykov. Vertragspartner war die Kreisschulverwaltung in Nestorow, früher Stallupönen, vertreten durch den amtierenden Landrat Oleg Kutin. Zunächst sollten die jungen Menschen, die Schüler und Schülerinnen, eine besondere Förderung erfahren. Demzufolge wurde die Realschule, beginnend im Jahr 2008 bis Ende 2010, mit einer monatlichen Zahlung von 1.000,- Euro unterstützt. Diese Sonderzahlung wurde dann auf insgesamt 46.000,- Euro aufgestockt. Diese Fördermittel waren ausschließlich für die Weiterbildung des Lehrerpersonals und die Beschaffung von Lehr- und Lernmitteln bestimmt. Weiterhin wurde vertraglich die Zahlung von 60.000,- Euro für Stipendien von 6 Lehramtsstudierenden für den Zeitraum von 2010 bis 2018 zugesichert. Auch die Besucher des Museums können erfreut darüber sein, dass die Tietze-Stiftung 4.000, - Euro für die Neuausstattung des Museums mit Multimediatechnik (Fernseher, Beamer und Laptop) bereit gestellt hat.
Der Vorstand des Trakehnenvereins war auch sehr erfreut darüber, in Inge und Wolfgang Tietze Gleichgesinnte gefunden zu haben, die dann im Jahr 2008 auch Mitglieder des Vereins wurden. Über den oben aufgezeigten Einsatz der Tietze-Stiftung hinaus sollte noch mehr geschehen: An den Schulgebäuden hatte der Zahn der Zeit genagt und waren beileibe noch nicht alle Mängel behoben. Schon bald wurden die dringendsten Reparaturarbeiten angegangen: Angefangen von der Isolierung des Hauptgebäudes, der Erneuerung der Elektroanlage in dessen Innenräumen , dem Einzug einer neuen Decke in dessen linken Flügel, der Generalüberholung der Heizung und Innenräume im Internatsgebäude, dem Bau einer Notausgangstreppe am zweiten Schulgebäude bis hin zur ordnungsgemäßen Befestigung der Wege zur Turnhalle und zum Internat sowie der baulichen Neugestaltung des Inneren der Turnhalle.

Sanierte Turnhalle 2008 ... mit Stifter und Ausstattung 2009 zusätzliche Sicherheit für die Schüler

Russische Regierungsstellen sind immer wieder für Überraschungen gut. Im Jahr 2009 erfuhr Wolfgang Tietze während einer seiner vielen Reisen nach Trakehnen, dass die Realschule in Trakehnen aufgegeben, weil demnächst eine Mittelpunktschule in Nestorow ganz neu errichtet werden sollte. Wolfgang Tietze und seiner Frau war sofort bewusst, dass damit die Zukunft des Trakehner Schlosses völlig ungewiss sein würde. In schwierigen Unterredungen konnte er Landrat Kutin schließlich dafür gewinnen, unter bestimmten Bedingungen an dem Standort in Trakehnen festzuhalten. Danach ging die Tietze-Stiftung die Verpflichtung ein, weitere Modernisierungs- und Sanierungsprojekte zu finanzieren, darunter insbesondere den Bau einer völlig neuen kompletten Heizungsanlage für alle Schulgebäude unter stilgerechter Wiedererrichtung der Remise und den Ausbau von drei Wohnungen im 1. Stock des rechten Flügels für junge Lehrkräfte. Mittlerweile sind beide Bauprojekte fertig gestellt. Bedauerlicherweise hat Frau Sanjuk die Baumaßnahmen nicht unterstützt, wie es von einer Schuldirektorin zu erwarten gewesen wäre, und in Bezug auf Projektierungsarbeiten und Verteilung der Mittel oft eigenmächtig gehandelt, ohne Rücksprache mit der Stiftung zu halten. Aufgrund ihres Alters, das weit über dem Rentenalter liegt, hält sie nach wie vor an überholten Strukturen fest und ist kaum zu bewegen, frischen Wind in die Schule zu bringen. Daher hatte Herr Tietze Herrn Landrat Kutin bereits 2009 deutlich gemacht, Frau Sanjuk in den wohlverdienten Ruhestand zu versetzen, da es mit ihr als Schuldirektorin sehr schwer sein wiürde, die Projekte der Stiftung in Jasnaja Poljana umzusetzen. Herr Landrat Kutin hatte der Stiftung Ende vergangenen Jahres mitgeteilt, dass Frau Sanjuk gemäß dem mit ihr abgeschlossenen Vertrag Schuldirektorin bleibt, solange es ihr Gesundheitszustand erlaubt, und dass er diesen Vertrag nicht kündigen könne. Aufgrund der unüberbrückbaren Differenzen sah sich die Tietze-Stiftung schließlich veranlasst, ihr Engagement in Trakehnen zu beenden.

Die Remise 2010 ... und im Juni 2011 ... mit neuer Heizungsanlage

 

Die Stiftung hat bis zum Abschluss der Bauarbeiten insgesamt ca. 840.000,- Euro für die Restaurierung, Sanierung und Unterstützung der Schule aufgebracht, wobei die Reise-, Personal- und Übersetzungskosten noch nicht berücksichtigt sind. Weitere Erneuerungsprojekte, wie die totale bauliche Renovierung zweier historischer Nebengebäude, der Wiederaufbau der zweistöckigen Terrasse an der Vorderfront des Hauptschulgebäudes nach historischem Vorbild und die Restrukturierung des Parks waren geplant, aber konnten leider nicht mehr verwirklicht worden.

Für diese Hilfeleistung sind die Mitglieder des Trakehnenvereins und alle Menschen, die sich dem kulturellen Erbe des ehemaligen Preußischen Hauptgestüts verpflichtet fühlen, nicht zu vergessen auch die Schülerinnen und Schüler der Schule in Jasnaja Poljana (Trakehnen) Inge und Wolfgang Tietze als maßgebliche Repräsentanten der gleichnamigen Stiftung wirklich dankbar.

(Der Artikel ist erschienen in DER TRAKEHNER, Heft 02/2012)

 


Dr. Horst Willer

Baubeginn für den Turm auf dem Trakehner Schloss

Getreu dem Motto „ Der Tradition verpflichtet und der Zukunft zugewandt“ hat der “Verein der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestüts Trakehnen e. V.“, auch Trakehnenverein genannt, bereits seit einer Reihe von Jahren mit Erfolg das Ziel verfolgt, das Trakehner Schloss und das ehemalige Reitburschenhaus in enger Kooperation mit der Leitung der dort beheimateten Haupt--und Realschule als einzigartige Kulturdenkmal der Nachwelt zu erhalten.
Bislang konnte der Förderverein unter Einsatz von Spendengeldern und staatlichen Zuwendungen wichtige Sanierungsmaßnahmen durchführen. So wurden an den beiden Gebäuden umfangreiche bauliche Erneuerungsarbeiten durchgeführt, angefangen bei der Trockenlegung der Grundmauern, dem Einbau neuer Fenster , der Renovierung der Fassaden und der vollständigen Erneuerung der Dächer. Auch das legendäre Trakehner Tor wurde grundlegend renoviert.
Für zunehmend mehr Liebhaber des Trakehner Pferdes aus allen Teilen der Welt ist Trakehnen wieder ein attraktives Reiseziel geworden. Insofern ist es schon allein deswegen notwendig, das Herzstück des ehemaligen Hauptgestüts- das Landstallmeisterhaus, auch Trakehner Schloss genannt, der Nachwelt zu erhalten. Dabei ist zu bedenken, dass dort keine Trakehner Pferde mehr gezüchtet werden und 98% der eigentlichen Gestütsanlage nicht mehr vorhanden sind. Dazu gehörten ehemals 16 Gutshöfe mit ca. 4000 Einzelbauten, darunter Pferdeställe, Wirtschaftsgebäude, Reitbahnen. Das gesamte Arreal umfasste ca. 6000 ha Wiesen und Weiden.

Von Besuchern Trakehnens und vielen anderen Menschen , die mit der Historie des ehemaligen “Paradieses der Pferde“ vertraut sind, wurde und wird immer wieder bedauert und beklagt, dass wesentliche identitätsstiftende Objekte, wie der Turm mitten auf dem Hauptgebäude und davor das lebensgroße Standbild des legendären Tempelhüters immer noch fehlen. Um den berechtigten Wünschen der Wiederherstellung der ehemaligen Silhouette gerecht zu werden, hat der Trakehnenverein in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen.

Was lange währt, wird endlich gut!
Am 10. August konnte Herr Leonhard Thiel ( 2. Vorsitzender des Trakehnenvereins ) nach langwierigen Verhandlungen endlich den Vertrag über die Bauausführung zur Errichtung des Turms auf dem Trakehner Schloss mit einer russischen Baufirma aus Kaliningrad abschließen Da das ehemalige Landstallmeisterhaus mittlerweile unter Denkmalschutz steht, kam für die Durchführung der Baumaßnahme nur ein entsprechend lizensiertes Bauunternehmen infrage. Darüber hinaus sah die russische Bürokratie vor, dass zuvor eine detaillierte Bauplanung ebenfalls von einem lizensierten Planungsunternehmen vorgennommen werden musste. Trotz aller Rückschläge und Erschwernisse hat sich der Vorstand des Trakehnenvereins nicht entmutigen lassen. Auch die Finanzierung des Projekts ist weitgehend gesichert. Hierzu tragen neben Spenden, darunter eine stattlicher Betrag der Inge und Wolfgang Tietze-Stiftung, 59387 Ascheberg-Herbern, und Bundeszuwendungen aus dem Etat des Staatsministers für Kultur und Medien zur Sicherung und Erhaltung deutscher Bau- und Kulturdenkmale im östlichen Europa bei.
Mit der eigentlichen Bauphase konnte unmittelbar begonnen werden. Der Trakehnenverein hofft, dass spätestens Anfang nächsten Jahres das Trakehner Schloss mit seinem symbolträchtigen Turm wieder in seinem alten Glanz erstrahlen kann. Damit wird das Landstallmeisterhaus als wertvolles historisches Denkmal wieder unverwechselbar aussehen.

Nach Möglichkeit soll auch die ursprüngliche Wetterfahne mit dem springenden Pferd wieder dien Turms zieren. Zur Finanzierung dieses Accessoires sind wir auf die Unterstützung von Sponsoren und weiteren Spendengeldern angewiesen.
Für die Züchter, Reiter und Fahrer des Trakehner Pferdes in Deutschland, Europa und Übersee wird das Trakehner Schloss, in dem auf Initiative des Trakehnenvereins auch ein kleines Museum eingerichtet wurde, weiterhin wichtiger historischer Rückhalt bleiben. Auch die Ostpreußen und deren Familien, die nicht mehr in ihrer Heimat leben, behalten damit ein wertvolles Erinnerungsobjekt. Mit großer Beharrlichkeit bemühen wir uns weiter um die Wiederaufstellung des Tempelhüterstandbildes an seinem angestammten Platz.

Wollen Sie zu dem “Turmprojekt Trakehnen“ einen gezielten finanziellen Beitrag leisten, so wenden Sie sich an unseren Verein: SIEHE

(Der Artikel ist erschienen in DER TRAKEHNER, Heft 10/2010)


Dr. Horst Willer

Das unvollendete Trakehner Schloss

Identität ist ein hohes Gut. Diese möchte der Trakehnenverein dem ehrwürdigen Landstallmeisterhaus zurückgeben. Ein Appell: Die weitere bauliche Vollendung sollte nicht an großzügiger finanzieller Unterstützung erwünschter Sponsoren scheitern.

Die Trakehner Pferde sind seit vielen Jahrzehnten als beliebte und erfolgreiche Sport- und Reitpferde weltweit wieder in aller Munde .Gottlob konnten am Ende des schrecklichen zweiten Weltkrieges noch einige ihrer zahlreichen Vorfahren aus Ostpreußen in den Westen gerettet werden.

Mit großer Bewunderung betrachten auch heute noch die Freunde und Liebhaber des Trakehner Pferdes immer wieder alte Abbildungen und Fotos vom Trakehner Schloss. Zu sehen ist das ehrwürdige Landstallmeisterhaus. Seine besonderen stilprägenden Merkmale sind nun einmal der Turm mitten auf diesem Gebäude und davor das lebensgroße Bronzestandbild des legendären Tempelhüters.

Wer kennt aber noch Trakehnen im ehemaligen Ostpreußen, Kreis Stallupönen, nahe der litauischen Grenze oder weiß etwas über diesen geschichtsträchtigen Ort die eigentliche Ursprungsstätte der ruhmreichen ostpreußischen Pferdezucht? Der preußische König Friedrich Wilhelm I, auch Soldatenkönig genannt, gab 1726 die Order in einem kleinen Dorf mit wenigen Bauernstellen und dem Namen „Trakischken“, was Rodung oder Lichtung bedeutet, ein Hauptgestüt zu errichten. Weite Flächen, die mit Birken, Erlen und Schilfgras bewachsen waren, wurden gerodet und entwässert. Nach einer mühsamen sechsjährigen Aufbau- und Siedlungsarbeit konnten 1732 die preußischen Gestütsabteilungen in dem “Königlichen Stutamte Trakehnen“ zusammengefasst werden.

Das Preußische Hauptgestüt Trakehnen erstreckte sich in seiner Endphase über 6000ha Nutzfläche, umfasste 16 Gutshöfe (Vorwerke), beherbergte ca. 1000 Pferde und bestand aus mindestens 400 Einzelbauten (Pferdeställe, Reitbahnen, Wirtschaftsgebäude, Wohnhäuser und Lagerräume). Nach dem schrecklichen Krieg war i m Westen längst bekannt, dass auf den Wiesen und Weiden keine Trakehner Pferde mehr grasten. Dennoch war bei den ersten Besuchern Ende der 90-er Jahre die Enttäuschung riesengroß: Nur wenig von dem, was die Größe, den Glanz und die Einmaligkeit jenes Paradestücks der Preußischen Gestütsverwaltung ausmachte, war übrig geblieben.

Welch` Wunder dennoch: Das Landstallmeisterhaus, auch Trakehner Schloss genannt, war weitgehend unversehrt geblieben. Es hatte die Zeit überdauert. Jedoch fehlten der Turm und das Tempelhüterstandbild. Bereits seit vielen Jahrzehnten hatte die regionale Haupt- und Mittelschule im Trakehner Schloss und dem ehemaligen Reitburschenhaus ihre Heimstatt gefunden.

Da das Hauptgestüt Ende des Krieges nahe der russischen Grenze in einer Hauptkampfzone lag, wurden durch massive Kriegseinwirkungen 60 bis 70% der Gebäude fast vollständig zerstört. Die russische Siegermacht dachte nicht an einen Wiederaufbau. Auch die Weiden, Wiesen und Äcker, die einst durch ein umfassendes Entwässerungssystem eine einmalige Kulturlandschaft darstellten, fielen der Devastation anheim.

Das Hauptgestüt mit seinen imposanten Gebäuden, wie Boxenstall, Auktionsstall, Reitbahn, Hauptbeschälerstall und den Paddocks für die Hengste sowie die einzelnen Hofanlagen der Vorwerke sind ohnehin unwiederbringlich verloren.

Ende der achtziger Jahre war die materielle Lebensbasis der russischen Bevölkerung in diesem Gebiet noch sehr schmal. Was konnte Besseres geschehen, als die dort lebenden Menschen bei der Bewahrung der Reste des kulturellen Erbes zu unterstützen und zusätzlich humanitäre Hilfe zu leisten.

Auf Inititive des Trakehner Verbandes - die Herren v. Lenski und Klaus Hagen waren die treibenden Kräfte - kam es 1993 zusammen mit der Kreisgemeinschaft Ebenrode/ Stallupönen zur Gründung des Vereins der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestüts Trakehnen e. V..

Große Zustimmung fand unter den Freunden des Trakehner Pferdes in Deutschland und anderen Teilen der Welt die Zielsetzung, das Trakehner Schloss Schritt für Schritt zu renovieren. Den jungen Menschen, vor allem den Schülern und Schülerinnen, sollte eine verheißungsvollere Zukunft eröffnet werden. Gleichzeitig ging es darum, durch bauliche Restaurierungsmaßnahmen das kulturelle Erbe zu sichern und zu bewahren.

Dieses Haus - es war bereits 1790 erbaut worden - war ehemals das Herzstück der großzügig angelegten Gestütsanlage. In ihm haben 12 Landstallmeister residiert. Von dort aus haben sie bis zum Schluss die Geschicke des Hauptgestüts gelenkt. In dem großen Arbeitszimmer fanden die wöchentlichen Beratungen des Landstallmeisters mit seinen Wirtschaftsdirektoren, Gestütsassistenten, Tierärzten, dem Rentmeister und dem Gestütsarchitekten statt. In den Arbeitsräumen wurden vom Landstallmeister selbst die Bedeckungs-, Zucht-, und Aufstallungspläne erstellt. Der Bedeutung dieses Hauses noch nicht genug: In der Jagd- und Besuchssaison und während der zweimaligen Reitpferdeauktionen im Jahr waren im Trakehner Schloss viele hochrangige Persönlichkeiten aus allen Teilen der Welt zu Gast.

Heute können Russen und Deutsche stolz auf das Erreichte sein. Die gemeinsamen Anstrengungen haben sich gelohnt. Landstallmeisterhaus und Reitburschenhaus zeigen sich nun in einem neuen Kleid. So wurden an den beiden Gebäuden nach und nach umfangreiche bauliche Erneuerungsmaßnahmen durchgeführt, angefangen bei der Trockenlegung der Grundmauern, dem Einbau neuer Fenster, der Renovierung der Fassaden und der vollständigen Erneuerung der Dächer. Auch das legendäre Trakehnertor wurde umfangreich renoviert. Ohne großzügige Einzelspenden und Zuwendungen, für die wir sehr dankbar sind, wäre dieser bauliche Kraftakt nicht möglich gewesen. So war es im Jahr 2007 für die ca. 150 Besucher aus aller Welt eine ganz besondere Freude, erstmalig nach dem 2. Weltkrieg das 275-jährige Gründungsjubiläum des ehemaligen Hauptgestüts in Trakehnen zu feiern.

Getreu der philosophischen Weisheit: “Das Leben wird vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden“. bleibt noch viel zur Sicherung des kulturellen Erbes in Trakehnen zu tun. So bemüht sich der Trakehnenverein weiterhin um die Rückführung des Tempelhüterstandbildes von Moskau nach Trakehnen. Große Anstrengungen wurden zudem bereits zur Wiedererrichtung des Turmes auf dem Trakehner Schloss unternommen. Es geht um die Wiedererkennung und die Vollendung des Herzstücks jener großartigen Gestütsanlage.

Auf den Landstallmeisterhäusern fast aller preußischen Hauptgestüte (z. B. Neustadt/Dosse, Beberbeck) befinden sich derartige Türme. Insofern hat auch der Turm auf dem Trakehner Schloss einen Wiedererkennungs- bzw. Identifizierungswert. Für die Besucher dürfte es ein Lichtblick sein, wenn sie demnächst zumindest das Landstallmeisterhaus annähernd in seiner ursprünglichen Ausprägung erleben könnten. Der Trakehnenverein nutzt zudem die Möglichkeit im Einvernehmen und unter Mithilfe der dort ansässigen Schule das bereits im ehemaligen Landstallmeisterhaus eingerichtete Museum weiter auszubauen, damit die Besucher noch etwas von der Größe und Einmaligkeit Trakehnens, dem sprichwörtlichen Paradies der Pferde, erfahren können und nicht wieder tief enttäuscht zurückfahren.

Mittlerweile steht das Trakehner Schloss unter Denkmalschutz. Damit sind die Vorschriften, die bei baulichen Veränderungen zu beachten sind, erheblich gestiegen. So kann die Vorplanung und Überwachung der Bauausführung für die Wiedererrichtung des Turmes nur von einem lizenzierten Planungsunternehmen im Raum Kaliningrad vorgenommen werden. Um mehr Transparenz über die bürokratischen Erfordernisse und die möglichen Baufirmen vor Ort zu bekommen, hat der Trakehnenverein im Zusammenwirken mit der Fachhochschule für Architektur in Hildesheim eine Bachelorarbeit über das “ Turmprojekt Trakehnen“ von einer russisch sprechenden Examenskandidatin erstellen lassen. Diese haben zu dem Ergebnis geführt, dass dafür nun annähernd verlässliche Kostenschätzungen vorliegen. Zur Gesamtfinanzierung kann der Trakehnenverein aus seinen normalen Spendenbeiträgen zwar einen Teilbeitrag leisten. Aber dennoch besteht noch eine erhebliche Finanzierungslücke, die von potentiellen Sponsoren und Mäzenen geshlossen werden müsste, die der Trakehnenverein hiermit speziell ansprechen möchte. Bitte helfen Sie uns bei der Bewahrung und Sicherung des hippologischen Kulturerbes Trakehnen.

Wollen Sie zu dem “Turmprojekt Trakehnen“ einen gezielten finanziellen Beitrag leisten, so wenden Sie sich an unseren Verein: SIEHE

(Der Artikel ist erschienen in DER TRAKEHNER, Heft 10/2009)


 

Dr. Horst Willer

Trakehnen ist wieder eine Reise wert!

Für viele Menschen war erst am Ende des Kalten Krieges wieder eine Reise in ihre alte Heimat, in den nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreussens, möglich.Auch wenn in Trakehnen keine Pferde mehr gezüchtet werden, so konnte jedoch in einer gemeinsamen Anstrengung von Deutschen und Russen das Trakehner Schloss als tragendes Symbol jener einmaligen Gestütsanlage und der Pferde mit der Elchschaufel vor dem endgültigen Verfall bewahrt werden.

Am 17. Oktober 1944, als 800 Trakehner Pferde, ihre Betreuer und die Ortsbevölkerung mit ihrer letzten Habe sich vor der immer näher herankommenden Kriegsfront auf die Flucht ins Ungewisse,gen Westen, begaben, fand die glor- und traditionsreiche Pferdezucht in Trakehnen und im ehemaligen Ostpreußen ein jähes Ende. Diesmal sollten Menschen und Pferde nicht wieder in ihre angestammte Heimat zurückkehren.

Der Kalte Krieg zwischen den Supermächten, den USA und der ehemaligen Sowjetunion, führte zu einer nahezu fünfzigjährigen hermetischen Abriegelung Nordostpreußens von der westlichen Welt. Als militärisches Sperrgebiet hatte das geschundene Land keine wirtschaftliche Perspektive. Eine Einreise war unmöglich.Ende der achtziger Jahre mit der Beendigung der militärischen Konfrontation und nach Glasnost und Perestroika kam es zu einer Auflösung der Sowjetunion und zur Unabhängigkeitserklärung der Baltischen Staaten. Das ehemalige Nordostpreußen, das keine gemeinsame Grenze zu Russland mehr hatte, wurde zu einer russischen Enklave.

Gottlob hat das Pferd Trakehner Abstammung, obgleich es kriegsbedingt in alle Winde, ja in viele Länder, verstreut worden war, durch das züchterische Engagement seiner Liebhaber wieder vielerorts Fuß fassen können. Nicht zuletzt durch die großartigen olympischen Erfolge des russischen Trakehners Pepel 1972 in München, des Trakehners Ultimo 1976 in Montreal oder des Trakehners Abdullah 1984 in Los Angeles und durch viele andere herausragenden turniersportliche Erfolge vieler Nachfahren haben sich die Trakehner Pferde weltweit erneut große Sympathie und Anerkennung erwerben können.Dies erklärte auch die große Sehnssucht vieler Freunde des Trakehner Pferdes, Anfang der neunziger Jahre, als das politische Tauwetter dies ermöglichte, wieder an den Ort, nach Trakehnen, zu reisen, wo jene berühmte Rasse nach mehr als 200-järiger züchterischer Anstrengung seine absolute Blütezeit erreicht hatte.

Die Berichte der ersten Besucher waren niederschmetternd.Dass Trakehnen nun die offizielle Ortsbezeichnung Jasnaja Poljana trug – so hieß auch das Landgut des großen russischen Schriftstellers Leo Tolstoi -, war nur eine Äußerlichkeit. Auch dass auf den weitläufigen Weiden Trakehnens seit Kriegsende keine Pferde mehr weideten, war bereits im Westen bekannt.Aber nur wenig von dem, was die Größe, den Glanz und die Einmaligkeit jenes Paradestücks der Preußischen Gestütsverwaltung ausmachte, war noch übrig geblieben oder nur noch in der Grundstruktur und in Spuren sichtbar.Auch heute noch führt eine Hauptzugangstraße über den Pissa-Kanal, jenes spektakuläre Hindernis, das so oft während der Trakehner Jagden durchquert werden musste. Von den Ufern her ist der ehemals funktionsfähige Entwässerungskanal total zugewachsen. Die nicht mehr intakten Dränagen und Grabensysteme haben im Zeitablauf aus den ehemaligen fruchtbaren Weiden, Wiesen und Äckern großflächige Feuchtbiotope und Brachflächen entstehen lassen. Die am Bahnhof Trakehnen beginnende fast sechs km lange und mit alten knorrigen Eichen bestückte Allee hat die Zeit überdauert. Das Vorwerk Bajohrgallen, an dem sie vorbeiführt, ist nur noch durch einige Mauerreste erkennbar.Ein ähnliches klägliches Bild boten mit Ausnahme des Vorwerks Kalpakin, wo einst die viel gerühmte braune Herde stationiert war, viele andere Vorwerke.Da einige von ihnen bereits während der letzten Kriegshandlungen in einer Hauptkampflinie gelegen haben,waren sie bereits gegen Ende des Krieges fast vollkommen zerstört worden.Aus der ehemaligen Sowchose in Jasnaja Poljana war nach der Wende eine Agrargenossenschaft entstanden. Deren Rindviehbestände waren in den noch teilweise vorhandenen aber baufälligen ehemaligen Stuten-und Fohlenställen sowie dem legendären Auktions-und Jagdstall, die innen wie außen großen Schaden genommen hat, mehr schlecht als recht untergebracht.Die Sommerresidenzen der Hauptbeschäler konnten nur noch in ihren Grundmauern ausgemacht werden.

Welch` Wunder: Der legendäre Gasthof Elch war als Lagergebäude unversehrt geblieben, ebenso die ehemalige Apotheke, die später zum Gasthaus umfunktioniert worden war.Auch das Trakehner Tor und das Landstallmeisterhaus, deutlich gezeichnet durch den Zahn der Zeit,waren heil geblieben und konnten trotz aller Wehmut, die viele Besucher am Ort überkommen hatte, wieder zumindest für kurze Momente freudige Blicke auf sich lenken.Das Herzstück Trakehnens war erhalten geblieben, dabei sollten der abbröckelnde Putz, der fehlende Turm, die verotteten Fenster und die schadhaft gewordenen Dächer zunächst zweitrangig sein. Hinter dem Trakehner Schloss war der ehemals repräsentative Park mit einem kleinen See einem Fußballplatz gewichen. Auf ihm tummelten sich täglich viel Jugendliche. Sie gehörten zu der Haupt- und Mittelschule, die bereits nach Kriegsende in dem Landstallmeisterhaus eingerichtet worden war.Den meisten Schülern, Kinder von dort freiwillig oder zwangsweise angesiedelten Familien aus Kasachstan, Kirgistan und anderen Regionen des ehemals riesigen Sowjetimperium,dürfte bis dahin gar nicht so bekannt und bewusst geworden sein, in welchem geschichtsträchtigen Haus sie täglich unterrichtet worden sind.

Im Trakehner Schloss – es war bereits 1790 erbaut worden - haben zwölf Landstallmeister residiert. Von dort aus haben sie die Geschicke des zum Schluss 6000 ha Äcker, Wiesen und Weiden , 1100 Gestütspferde, 16 Vorwerke und ca. 1000 Beschäftigte umfassenden Hauptgestüts geleitet. In dem großen Arbeitszimmer fanden die wöchentlichen Beratungen des Landstallmeisters mit seinen Wirtschaftsdirektoren, Gestütsassistenten, Tierärzten, dem Rentmeister und dem Architekten statt.In den Arbeitsräumen wurden vom Landstallmeister selbst die Bedeckungs-, Zucht- und Aufstallungspläne erstellt.In der Jagd-und Besuchssaison und während der zweimaligen Reitpferdeauktionen im Jahr waren im Trakehner Schloss viele hochrangige Persönlichkeiten aus allen Teilen der Welt zu Gast.

Das Trakehner Schloss dem endgültigen Verfall preiszugegeben, dies konnte keineswegs hingenommen werden. Den Herren Dietrich v. Lenski und Lars Gehrmann ist es zu verdanken, dass es am 13. Aprill 1993 auf Initiative des Trakehner Verbandes, des Trakehner Fördervereins sowie der Kreisgemeinschaft Ebenrode/Stallupönen zur Gründung des Vereins der Freunde und Förderer des ehenmaligen Hauptgestüts Trakehnen e. V. kam. Den Gründungsmitglieder ging es nicht nur um die bauliche Restaurierung des ehemaligen Trakehner Schlosses und des Reitburschenhauses , sondern auch um humanitäre Unterstützung für die in Jasnaja Poljana lebenden Menschen.Ein guter Ansatzpunkt hierfür bot vor die regionale Haupt- und Mittelschule mit seinen ca. 200 Schülern. Geboten war uneigennützige Hilfe ohne jegliche politische Einfärbung für Russen und Russlanddeutsche gleichermaßen im Einvernehmen mit den russischen Behörden.

Unter der Ägide von Klaus Hagen - er leitet auch heute noch die Geschicke des Fördervereins -, sollte das Projekt Trakehnen zugleich ein konkreter Brückenschlag in dem Bemühen um ein besseres Verständnis zwischen dem russischen und deutschen Volk sein.Von Anfang an gehörten dem Trakehnenverein mehr als 120 Mitglieder aus Deutschland, den USA, Frankreich, Luxemburg, Schweiz und Schweden an.

Sehr schnell entwickelte sich zwischen der russischen Seite- hier ist an erster Stelle die Schulleiterin, Frau Elena Sanjuk, zu nennen- und dem Trakehnenverein eine vertrauensvolles Klima guter Zusammenarbeit.Zunächst wurden am Landstallmeisterhaus in mühevoller Arbeit die Dächer notdürftig repariert, die Grundmauern trockengelegt und saniert, die Fenster erneuert und die Fassaden ausgebessert und neu gestrichen.In ähnlicher Weise wurde bei der Sanierung des Reitburschenhauses vorgegangen. Somit war dann unabhängig von der Jahreszeit wieder ein geregelter Schulbetrib möglich.Später wurden im Wirtschaftsflügel die Sanitären Einrichtungen gänzlich neu eingerichtet.Dies wiederum war ein dringende bauliche Maßnahme, nicht zuletzt auch angesichts des zahlenmäßig gestiegenen Touristenstroms nach Trakehnen.Auch im Inneren der Gebäude wurden größere Reparaturen vorgenommen.Lehrer und Schüler sind mittlerweile auf ihre Schlossschule, wie sie von Ihnen auch genannt wird, sehr stolz.Die Identifikation des Lehrerkollegiums und der Schülerschaft mit dem historischen Erbe ist bewundernswert. So ist auf Anregung und mit Unterstützung des Trakehnenvereins ein kleines Museum im Hauptgebäude entstanden, das den Besuchern Ausblicke in die ruhmreiche Vergangenheit Trakehnens vermitteln soll.Erst kürzlich im Dezember 2006 ist es schließlich gelungen, eine für den Fortbestand jener Gebäude ganz wichtige bauliche Maßname, die vollständige Erneuerung und Restaurierung der Dächer auf dem Haupthhaus und dessen beiden Seitenflügeln, abzuschließen.Mehrmals haben die beiden Vorsitzenden des Fördervereins, die Herren Klaus Hagen und Leonhard Thiel, sich in den letzten Jahren auf den Weg nach Trakehnen gemacht, um mit Rat und Tat vor Ort hilfreich zu sein.So mussten auch ein Teil der Baumaterialien, wie Orginal-Biberschwänze, Unterspannbahnen und Zink- und Kupferbleche rechtzeitig von Deutschland nach Trakehnen gebracht werden. Das Trakehner Schloss erscheint wahrlich wieder in neuem Glanz. Dafür sind das Lehrerkollegium, die Schüler und deren Eltern dem Trakehnenverein überaus dankbar.

Es ist mittlerweile schon Tradition geworden, dass zur Schulentlassungsfeier Ende Mai der Trakehnenverein mit seinen Besuchern aus Deutschland besonders herzlich willkommen geheissen und in ein abwechselungsreiches Festprogramm einbezogen wird.Schon seit einigen Jahren findet der vom Trakehnenverein ins Leben gerufene deutsch/russische Schüleraustausch großen Anklang. Ausgangspunkt hierfür war die in den 90-er Jahren gegründete Schulpartnerschaft mit der Realschule in Walsrode.Bislang haben insgesamt achtmal russische Schuler/innen und zwei Lehrer für etwas mehr als eine Woche Deutschland besucht In jedem Jahr konzentrierte sich das Besuchsprogramm auf ein Bundesland. Den jungen Menschen aus Russland soll so die Geschichte und Kultur Deutschlands etwas näher gebracht werden. Erfreulich ist, dass an der russischen Schule in Jasnaja Poljana mit Erfolg auch Deutschunterricht erteilt wird.

Ein erstes Fazit: In einem erst Schritt dürfte es gelungen sein, zwei symbolträchtige Gebäude der traditionsreichen Gestütsanlage Trakehnens, das Landstallmeisterhaus und das Reitburschenhaus, der Nachwelt zu erhalten. Ohne großzügige Einzelspenden und Zuwendungen wäre jener bauliche Kraftakt nicht möglich gewesen. Auch in Trakehnen soll im September dieses Jahres das 275-jährige Gründungsjubiläum gefeiert werden. Dies ist Grund genug, weitere denkmalsichernde Maßnahmen anzugehen, so die Wiedererrichtung des Turms auf dem Trakehner Schloss,die bauliche Sanierung des Trakehner Tores und die Rückführug und Wiederaufstellung des Tempelhüterstandbildes. Selbst wenn nur die beiden zuerst genannten Vorhaben bis dahin verwirklicht werden können, würde das Herzstück des ehemaligen Hauptgestüts noch heller glänzen als ohnehin schon.Ein Besuch in Trakehnen ist wieder eine Reise wert!

Spendenkonto: Sparkasse Südholstein,
Konto-Nr. 284 726, Bankleitzahl: 23051030

(Der Artikel ist erschienen in DER TRAKEHNER, Heft 07/2007 mit freundlicher Genehmigung des RathmannVerlages Kiel)


Im Interview: Klaus Hagen

Eine Schule erhalten – Freunde gewonnen

Vor zehn Jahren wurde der Verein der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestüts Trakehnen gegründet. Während zwei Gebäude Schritt für Schritt renoviert wurden, wuchs die Freundschaft zwischen den deutschen Förderern und den Anwohnern von Jasnaja Poljana. In einem Interview zieht der Vorsitzende Klaus Hagen eine Bilanz.

TRAKEHNER HEFTE : Ende Mai waren Sie mit einer Reisegruppe erneut in Trakehnen. Wie war die Fahrt?

Klaus Hagen : Die Fahrt war sowohl für mich als auch für die neuen Besucher sehr eindrucksvoll. Wir alle waren erneut zur Entlassungsfeier der Schloßschule Trakehnen eingeladen. Die Schüler und das Lehrerkollegium können sich inzwischen sehr gut darstellen und demonstrieren, wie sich das tägliche Leben in Jasnaja Poljana gestaltet, welche Früchte die pädagogische Ausbildung trägt und sie zeigen vor allem, wie dankbar sie für die Hilfe unseres Vereines sind. Durch unsere Unterstützung für den Erhalt und die Renovierung der Schule haben sich die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen für eine umfangreiche Ausbildung der Kinder in und rund um die Schule verbessert. Durch das neue Erscheinungsbild und die Einrichtung des Schulmuseums ist das Interesse der Touristen gestiegen. Die Schüler und Lehrer merken, daß sie anerkannt werden.

TH : Viele neue Gesichter waren bei dieser Reise mit von der Partie. Was waren deren Beweggründe?

KH : In erster Linie das Angebot, Trakehnen zu besuchen. Trakehnen ist für die meisten Leute ein Begriff – nicht nur durch die Pferde, sondern auch durch die ostpreußische Geschichte. Jeder neue Besucher ist beeindruckt von dem, was er dort sieht. Mir geht es auch nach Jahren immer wieder so.In Trakehnen prallen zwei gewaltige Eindrücke aufeinander: Zum einen sind die meisten erschüttert, wenn sie vor den Ruinen der ehemals feudalen Stallungen stehen und eine Vorstellung davon bekommen, was dort verlorengegangen ist. Zum anderen sind sie begeistert von dem Leben, was sich rund um das Landstallmeister- und das Reitburschenhaus entwickelt hat. Auch für den Verein ist die strikte Trennung dieser beiden Bereiche, dem desolaten Umfeld und der Schule als Zentrum, wichtig.

TH : Rund um das Landstallmeister- und das Reitburschenhaus verfallen die Gebäude, die vor Hunderten von Jahren zur Weltgeltung des Hauptgestüts Trakehnen beigetragen haben. Gibt es eine Chance, wenigstens einige der Stallungen vor dem endgültigen Ruin zu bewahren?

KH : Durch unseren Verein nicht. Der landwirtschaftliche Bereich ist in einer Aktiengesellschaft organisiert und ist also in eigener Verwaltung. Darauf haben wir keinen Einfluß. Gespräche haben das ganz klar herausgestellt. Was mir als Landwirt in den letzten Jahren auffiel, ist, daß sich der Ackerbau zum Positiven entwickelt auch mit zum Teil mit neuen Maschinen gearbeitet wird.

TH : Der Verein besteht nun zehn Jahre. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

KH : Wenn man zwischen dem Zentrum und dem Außenbereich differenziert, dann fällt das Resümee positiv aus. Wir haben eine Gesamtschule für die dortige Region erhalten, in der cirka 200 Schüler unterrichtet werden und die durch unsere Unterstützung ein hohes Niveau erreicht hat. Die Schule zählt in allen Bereichen wie Sport, Musik, Schach oder dem Geschichtsunterricht zu den führenden Schulen in der Region Nord-Ostpreußens.

TH : Welches sind die mittelfristigen Ziele des Vereins?

KH : Es ist die Erneuerung des Daches der Schloßschule, sprich des Landstallmeisterhauses, die dringend erledigt werden muß. Das „Schloß“ ist das größte herrschaftliche Gebäude in der Region, das noch erhalten ist. Um das auf Dauer zu sichern und zu verbessern, ist die Reparatur des Daches dringend notwendig. Bisher konnten wir aus finanziellen Gründen nur ausbessern. Das Dach wird die große Aufgabe für die nächsten Jahre sein. Dafür brauchen wir weitere Unterstützung. Durch eine erste Zuwendung ist es uns überhaupt möglich, diese Arbeiten für einen Teilbereich zu beginnen.

TH : Wie teuer wird es insgesamt?

KH : Das ist noch nicht zu übersehen. Wir hatten während des Besuches nur über das Fachliche gesprochen. Problematisch wird, daß die Ziegel, es sind Biberschwänze, die in der entsprechenden Form heute dort so nicht mehr hergestellt werden. Die Beschaffung wird also schwierig.

TH : Zur Gründungszeit des Vereines war es immer wieder notwendig, sich mit Nachdruck von deutsch-nationalen Interessen zu distanzieren, und sie stellten immer wieder den Erhalt der Gebäude als Kulturdenkmal in den Vordergrund. Sind diese historischen Mißverständnisse vollkommen ausgeräumt?

KH : An mich persönlich kommt das nicht mehr heran, weil die Leute wissen, daß ich mich von entgleisten Interessen einiger Weniger distanziere. Es scheint so, als ob sich die Aktivitäten diverser deutscher Gruppierungen in dieser Region von selbst erledigen, da ihr Gedankengut bei der dortigen Bevölkerung nicht ankommt. Für die Arbeit des Vereins ist das alles nicht relevant. Jeder, der sich ein wenig für unser Engagement interessiert, weiß, daß die Erhaltung der Gebäude und die Kooperation mit der Schule im Vordergrund steht.

TH : Jährlich besuchen Schüler der Schloßschule auf Einladung des Vereins Deutschland. Es besteht ein reger Schüleraustausch zwischen der Realschule Walsrode und der Schloßschule Trakehnen. Wie kam diese Entwicklung?

KH : Ausgelöst wurde dies durch einen sehr intensiven Deutschunterricht in Trakehnen durch den Deutschlehrer Iwan Kusnetzow. Gemeinsam überlegten wir, ob wir mit einer Einladung nicht die besten Absolventen des Deutschunterrichtes belohnen sollten. Die Idee kam bei den Schülern sehr gut an. Zum Teil wurden die Besuche in Deutschland auf die Zuchtbezirke des Trakehner Verbandes abgestimmt und mit deren Unterstützung organisiert. Bei einem der ersten Besuche in Niedersachsen-Hannover kam es zu einem Treffen mit der Realschule in Walsrode. Dort wurde die Idee eines Gegenbesuches geboren und einige Zeit später in die Tat umgesetzt. Der Besuch der Schüler hat schon mehrere Male stattgefunden und jede russische Gruppe beginnt ihren Deutschlandaufenthalt in der Schule in Walsrode. In diesem Jahr beginnt der Besuch in der letzten Juni-Woche und führt ins Rheinland. Die Jugendbetreuung hat der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Leonhard Thiel, übernommen und er gestaltet sie mit großem Engagement.

TH : Was bedeutet der Jugendaustausch für den Verein?

KH : Hoffentlich eine Fortführung der gemeinsamen Arbeit über eine lange Zeit.

TH : Welche Verbindung haben die Menschen von Jasnaja Poljana zu den deutschen Besuchern heute?

KH : Ich kann die Menschen nicht verallgemeinern. Ich bin mir sicher, und das bestätigen die Briefe der Schuldirektorin Frau Sanjuk, daß die Lehrer, Schüler und Eltern sich mit der Unterstützung aus Deutschland identifizieren. Es ist ein freundschaftliches Verhältnis, das sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. Der Verein hat aktuell den Bau eines sanitären Traktes in der Schloßschule finanziert, der von der Schulleitung ausgeführt und nun eingeweiht wurde. Das war dringend notwendig. Wie uns der Deutschlehrer berichtete, gab es keine Kachel, die Frau Sanjuk nicht in der Hand gehalten hätte. Während der Bauarbeiten hatte sich die Schuldirektorin, die Mathematik unterrichtet, als Bauingenieurin bewährt. Wenn man humanitäre Hilfe leistet, muß man genau darauf achten, mit wem man zusammenarbeitet. Bei uns läuft glücklicherweise alles gut. Doch es ist besser, wenn man weder nach rechts noch nach links schaut. Sonst ist man schnell ernüchtert.

TH : Welches war die schwierigste Zeit?

KH : Der Anfang, bis man die Menschen gefunden hatte, zu denen man Vertrauen fassen konnte. Sicher haben wir in der ersten Zeit Lehrgeld bezahlt. Die Anfänge waren sehr schwierig und es ist wohl nur zu der heute positiven Arbeit gekommen, weil wir den Kreisbehörden angedroht hatten, daß wir sofort unsere Unterstützung einstellen, wenn sie nicht ihren Beitrag leisten würden. Auch bei der Schulleitung herrschte sehr viel Respekt vor den Aufsichtsbehörden. „Wir können nur unterstützen, machen müßt ihr selbst“ – nachdem sie diesen Satz vergegenwärtigt hatten, ging alles einfacher.

TH : In welchem Zusammenhang stehen die Ruinen und renovierten Gebäude von Jasnaja Poljana und die heutige Trakehner Zucht?

KH : Er besteht eigentlich nur in der Erinnerung an die Geburtsstätte der Trakehner Rasse. Auf keinen Fall ist in absehbarer Zeit mit dem Aufbau einer Trakehner Zucht und damit einem Konkurrenzunternehmen zum Trakehner Verband zu rechnen. Diese Vermutung, die oft als Ausrede benutzt wird, um uns die Hilfe zu versagen, habe ich öfters zur Antwort bekommen und darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Die Menschen dort haben bis auf ein paar Hirtenpferde keine Verbindung zur Pferdezucht. Die Leute wissen jedoch mittlerweile, in welchem bedeutenden Ort sie wohnen, denn die Kinder bringen ihre Eltern auch in das Museumszimmer. Das Pferd spielt heute jedoch in deren Leben keine Rolle mehr.

TH : Welche Motivation könnten Trakehner Züchter haben, ein Projekt, das 1 500 Kilometer entfernt ist, zu besuchen, sich dafür zu engagieren oder dafür zu spenden?

KH : Der Züchter weiß dann wenigstens, wovon er spricht. Viele beten ihnen auf Abruf die Abstammungen ihres Pferdes Generation für Generation herunter. Erzählen, daß die Urgroßmutter ihres Pferdes aus Trakehnen kommt. Die Züchter reden von „ihren“ Trakehnern. In Trakehnen kann er das, was er sich erlesen hat, nachprüfen. Seinen Horizont zu erweitern, kann nicht überholt sein. Entdecken die Leute dann die Weite der Landschaft, sind sie fasziniert und können sich ein Bild darüber machen, z. B. welche Dimension das Hauptgestüt hatte, zwischen welchen Gebäuden sich das Gestütsleben abspielte, in welcher Landschaft die Pferde auf ihre Jagdeignung geprüft wurden und vieles mehr. Seltsamerweise zeigen die Reiter von Trakehner Pferden mehr Interesse als die Züchter. Dieses Desinteresse der Trakehner Züchter enttäuscht mich persönlich sehr. Es gibt nicht mehr viele alte Züchter, deren Heimat Trakehnen war. Die aktiven Züchter sollten sich die Geburtsstätte ihrer Pferderasse und das Umfeld einmal anschauen. Und sie werden beeindruckt sein, wie alle, die dorthin gefahren sind.

TH : Zwischen den Schülern und der Generation der gebürtigen Ostpreußen, die sich im Verein engagieren, klafft eine große Lücke . . .

KH : Erfreulicherweise haben sich an dieser Reise einige junge Menschen beteiligt. Das war für mich eine ganz tolle Erfahrung. Einige haben ihre Unterstützung zugesagt.

TH : Was ist Ihr persönliches Ziel?

KH : Bald einen tatkräftigen Nachfolger zu finden. Das wird nicht leicht sein. Es ist auch die heimatliche Bande, die mich immer wieder gen Osten zieht und mich zu der Vereinsarbeit motiviert. Die Nähe zu meinem Geburtsort Insterburg spielt eine große Rolle.

TH : Welche Chance hätten die Ruinen von Trakehnen zum Unesco- Weltkulturerbe zu werden?

KH : Die Verbindungen zu den Verantwortlichen, die sich dafür einsetzen können, sind noch nicht erschlossen. Wir suchen jetzt den Kontakt zu dem neuen Generalkonsul von Königsberg, Dr. Sommer, der anläßlich des Kant-Geburtstages von Außenminister Joschka Fischer im Amt eingeführt wurde. Wir haben den Generalkonsul über die Existenz des Vereins informiert und ihn auch in die Schule eingeladen. Leider haben wir noch nichts von ihm gehört. Es wäre auch schön, wenn der Dialog mit der Schulleitung zustande kommen würde. Die Aussicht, daß Trakehnen Weltkulturerbe werden könnte, steht in weiter Ferne. Die Kontakte zu knüpfen, wäre vielleicht ein Anfang.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führt Myriam Lenz, erschienen in den TRAKEHNER HEFTEN 7/04 mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Bauernverlages Berlin