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Trakehner Pferde im Vielseitigkeitssport erfolgreich wie eh und je
- Leistung liegt in den Genen -

Die Trakehner Reitpferdezucht kann im verflossenen Jahr auf große Erfolge zurückblicken. Kürzlich veröffentlichte die World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH) die Ranglisten der weltweit erfolgreichsten Vererber in den olympischen Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Danach hat sich der Trakehner Hengst Grafenstolz v. Polarion- Camelot- Arogno 2020 als der weltweit erfolgreichste Vererber für den Vielseitigkeitssport, die als Krone der Reiterei gilt, hervorgetan.

Er führt damit das Ranking der 100 weltbesten Hengste an. Dazu der Kommentar des stellvertretenden Zuchtleiters des Trakehner Verbandes, Neel-Heinrich Schoof: „Der Trakehner Hengst Grafenstolz ist definitiv ein ganz besonderer Hengst! Seine Kombination aus sportlicher Eigenleistung und internationaler Vererbungsleistung dürfte ihresgleichen lange suchen.“ Seine sportliche Karriere kann sich sehen lassen. Als Prämienhengst der Körung 2000 erfuhr er eine solide Ausbildung, so dass er sich unter Michael Jung sechsjährig als bisher einziges Pferd in allen drei Reitsportdisziplinen für die Bundeschampionate qualifizieren konnte, er wurde Bundeschampion der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde und Weltmeister der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde in Le Lion d’Angers. Danach folgten Siege in Vielseitigkeitswettbewerben bis zur schweren Klasse.

Am dritten Oktoberwochenende 2020 gaben sich zur Weltmeisterschaft der Jungen Pferde die Buschreiter aus allen Teilen der Welt im französischen Le Lion d` Angers ihr Stelldichein. Die siebenköpfige deutsche Mannschaft war mit drei Trakehner Pferden beritten, die alle mit guten Ergebnissen aufwarten konnten Zum Triumph der Trakehner Pferde trug vor allem der lackschwarze Trakehner Hengst Sweetwaters Ziethen TSF mit seiner Reiterin Sophie Leube als Start-Ziel-Sieger der siebenjährigen Pferde bei.


Seawaters Ziehten während der WM in Le Lion d`Angeres mit Sophie Leube auf der Querfeldeinstrecke (Quelle: Lafrentz)

Sechsjährig hatte Ziethen bereits auf dem Bundeschampionat wie auch bei der Weltmeisterschaft 2019 brillante Leistungen gezeigt. Ziethens Vater ist der Trakehner Elitehengst Abendtanz, der selbst im Parcours bis zur schweren Klasse erfolgreich war und dessen Vater Hirtentanz als ausgewiesener Trakehner Springvererber gilt. Mütterlicherseits führt Ziethen mit seinem Muttervater Cametot AA bestes anglo-arabisches Leistungsblut polnischer und französischer Herkunft. Sophie Leube hatte mit dem Trakehner Hengst Isselhorst`s For Sight v. Lossow- Hibiskus, der mit ihr bereits 2019 das Bundeschampionat der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde grandios gewinnen konnte, während der Weltmeisterschaft noch ein weiteres Eisen im Feuer. In Le Lion d ´Angers erzielte sie in der Klasse der Sechsjährigen mit diesem wunderbaren Steepler einen ehrenvollen achten Platz.


Isselhorst`s For Sight auf der Geländestrecke des Bundeschampionats 2019 (Quelle: Bauernschmitt)

Gründung Trakehnens als Keimzelle für das Preußische Kavalleriepferd
Das Trakehner bzw. Ostpreußische Pferd zählt bekanntermaßen zu den ältesten reingezüchteten Pferderassen der Welt. Ihr ursprünglicher Verwendungszweck wurde primär und ausschließlich für Militärzwecke gesehen. Preußens “Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. bezog einen großen Teil seiner Kavalleriepferde aus Ungarn und der Ukraine. Dies verursachte hohe Staatsausgaben und machte zudem Preußen vom Ausland abhängig. Fürst Leopold von Sachsen-Anhalt, der “Alte Dessauer“, empfahl dem preußische König, die Kavalleriepferde künftig vermehrt selbst zu züchten, in Littauen Land zu erwerben und sämtliche in Litauen verstreut liegenden Gestütsabteilungen in einem großen Gestüt zu vereinigen. Dieser Plan wurde verwirklicht und so entstand 1732 das Hauptgestüt Trakehnen. Zum Gründungsort wurde ein kleines Dorf mit wenigen Bauernstellen und dem Namen “Trakischken“, was Rodung oder Lichtung bedeutet. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass diese Spezial-und Edelpferdrasse immer wieder vermehrt Pferde hervorgebracht hat, die in besonderem Maße den Anforderungen eines leistungsfähigen Militär- und Vielseitigkeitspferdes entsprechen. Diese verfügen im besonderen Maße über Härte, Ausdauer, Schnelligkeit und Herz sowie Rittigkeit und Springvermögen. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts erreichte die Zahl der jährlich bereit gestellten Remonten für die Kavallerie in Ostpreußen ca. 5000.  

Der sportliche Einsatz der Militärpferde wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhundert populär. Er begann spektakulär mit den Distanzritten junger Kavallerieoffiziere. Besonderes Aufsehen erregte 1892 der Distanzritt von Berlin nach Wien über 580 km in sechs Tagen. So sollten Härte und Ausdauer der Pferde erprobt werden, aber derartige absolut kräftezehrende Straßen- und Chausseerennen erwiesen sich schon bald als unbefriedigend für Pferd und Reiter. Daraufhin wurden die Distanzen deutlich verkürzt und abwechslungsreiche Geländeabschnitte mit möglichst vielen natürlichen Hindernissen (Gräben, Hecken, Koppeltore, Hänge, Wassereinsprünge) als Querfeldeinstrecke einbezogen. Diese spezielle Anforderung galt als Höchstleistung für das Truppenpferd und bildete eine Ausbildungsform des Militärs, weshalb sie auch als Military bezeichnet wurde.


Prinz Friedrich Sigismund von Preußen mit Heiliger Speer auf der Querfeldeinstrecke, Stralsund 1924 (Quelle: Menzendorf Archiv)

Die Military wird zur Olympischen Disziplin  
Ein umfassender Vielseitigkeitswettwerb, bestehend aus der Geländeprüfung sowie einer Dressur-und Springprüfung und durchgeführt in mehreren Tagen, wurde erstmals 1912 in Stockholm als Olympische Disziplin ausgetragen. Daran nahmen schon damals ostpreußische Pferde mit Erfolg teil. 1924 gewann dann der Ostpreuße Balte, gezogen von Dr. Rothe, Tollmingkehnen, im Beritt der niederländischen Equipe die Olympia- Military in Paris. Wiederum zu olympischen Ehren mit der Bronze- Medaille in der Military (Große Vielseitigkeitsprüfung) kam Bruno Neumann mit dem Trakehner Ilja 1928 in Amsterdam.


Bruno Neumann mit Ilja während des Springens  im Olympia- Stadion 1928 in Amsterdam (Quelle: Menzendorf Archiv)

Großes Aufsehen erlangten schließlich die großartigen reiterlichen Erfolge unsere deutschen Reiter mit ostpreußischen Pferden während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. So gelang es der Kavallerieschule Hannover, nicht nur mit Ludwig Stubbendorff und dem Ostpreußen Nurmi in der Einzelwertung der Olympia- Military die Goldmedaille zu gewinnen, sondern auch noch Mannschaftsgold zu erringen.


Nurmi, geb. 1925 bei seinem Züchter Hans Paul, Rudwangen, hier mit Hauptmann Ludwig Stubbendorff während der Olympia- Military , Berlin 1936 (Quelle: Menzendorf Archiv)

Dem Team gehörten neben Stubbendorff noch Rudolf Lippert mit dem Ostpreußen Fasan und Konrad v. Wangenheim mit dem Vollblüter Kurfürst an.


Fasan mit Rittmeister Lippert über dem Trakehner Graben des Olympia-Kurses, Berlin 1936 (Quelle: Menzendorf Archiv)

Zur damaligen Zeit und auch noch in der Neuzeit wurde in der Großen Vielseitigkeitsprüfung (Military) äußerstes Leistungsvermögen von Reiter und Pferd abverlangt. Die genauen Anforderungen seien wie folgt kurz umrissen: Dressur der Klasse L –M am 1. Tag, Geländeprüfung am 2. Tag, bestehend aus Wegestrecke I 5-6 km , Tempo 240 m /min. , anschließend Rennbahngalopp 3000 bis 4200 m mit 10 bis 14 Sprüngen, Tempo 600 m/min. , es folgt Wegestrecke II 10 -15 km, Tempo 240 m/min., danach beginnt die Querfeldeinstrecke 6000 – 8000 m mit 25 -36 Sprüngen, 1,15 -1.20 m hoch u. 3 – 4 m breit, Tempo 450 m/min., Beendigung mit dem Schlussgalopp 990 – 1980 m , Tempo 330 m / min. 3. Tag Verfassungsprüfung u. Springprüfung der Klasse L.  

Dominanz der Ostpreußen und Trakehner im Vielseitigkeitssport
Aufschlussreich in diesem Kontext ist eine wissenschaftliche Studie mit dem Titel “Die Military“ –Entwicklung und züchterische Bedeutung einer Leistungsprüfung des deutschen Turniersports, Hannover 1944, Autor: G. Neubauer. Danach gehörten von 21 ausgewählten besten Leistungspferden allein 14 dem Ostpreußischen Stutbuch an. Dieses Resultat der Dominanz der Ostpreußen bzw. Trakehner unter den erfolgreichsten Leistungspferden im Vielseitigkeitssport steht ganz im Einklang mit dem damaligen Ruf des gleichnamigen Zuchtgebiets, zu jener Zeit das beste Soldatenpferd zu liefern. Die genannten Erklärungen für die Überlegenheit des ostpreußischen Pferdes als vielseitiges Sportpferd sind vielfältig. So wird vor allem die schon früh von Landstallmeister v.Oettingen eingeführte Leistungsprüfung aller Nachwuchspferde Trakehnens im Jagdfeld als sehr förderlich herausgestellt.


Kakadu war in den 30-iger Jahren im Besitz der Kavallerieschule Hannover ein erfolgreiches Military- Pferd, hier mit Rittmeister Stein beim Einsprung in den Templiner See, Potsdam1924 (Quelle: Menzendorf Archiv)

Unter den 14 ostpreußischen Leistungspferden waren sieben Original- Trakehner, die vermutlich alle ihre ersten Weihen als spätere Military- Pferde im heimatlichen Jagdstall erfahren haben. So fanden von den in Übersicht 1 aufgeführten Pferden Schwertlied, Hartherz, Ilja, Heiliger Speer und Kakadu über den Jagdstall und die Trakehner Auktionen ihren Weg in den späteren Turniersport. Auffallend ist, dass diese ostpreußischen Leistungspferde in ihrer Abstammung nahezu 50% oder mehr Englisches Vollblut oder Angloarabisches Blut aufweisen.

Die erfolgreichsten ostpreußischen Pferde in Vielseitigkeitsprüfungen der Jahre 1910-1939
Quelle: Neubauer, G.: “ Die Military“- Entwicklung und züchterische Bedeutung einer Leistungsprüfung des deutschen Turniersports , Hannover 1944

Auserwählter v. Gorden xx – Larifari  FW 1906 ( Trak.)
Schwertlied v. Master Magpie xx - Perfektionist xx FW 1915 (Trak.)
Heiliger Speer v. Polarfischer - Cadix xx  BrW 1916 (Trak.)
Hartherz v. Cheri  xx - Polarsturm FW 1919 (Trak.)
Trajan v. Sonnenfleck - Schnellfeuer  SchW 1919 (Ostpr.)
Cheruskerfürst v. Mansfeld - Erbfeind ox BrW 1919 (Ostpr.)
Nanuk v. Cornelius - Hochwald SchW 1921 (Graditz)
Ilja v. Indus xx - Red Prince xx BrW 1921 (Trak.)
Fasan v. Burkhardt xx - Ludolf FH 1922 (Ostpr.)
Kakadu v. Cancara - Parsee xx SchW 1922 (Trak.)
Frontkämpfer v. Amarat - Packer BrW 1923 (Ostpr.)
Guntram v. Piper - Don Juan BrW 1923 (Ostpr.)
Nurmi v. Merkur - Amtmann Br.W 1925 (Ostpr.)
Preisträger v. Thronhüter - Master Magpie xx RW 1926 (Trak.)

Ohne Zweifel dürfte dies schon damals ein entscheidender Leistungsvorteil gewesen sein. Weiterhin gibt es Anzeichen dafür, dass die Förderung der Ländlichen Reiterei nach dem Ersten Weltkrieg – sie fand besonders großen Anklang in Ostpreußen- sich sehr positiv auf die Profilierung der ostpreußischen Pferde im Vielseitigkeitssport ausgewirkt haben.


Von 1926 -1932 war Hartherz mit Käthe Franke eines der erfolgreichsten Vielseitigkeitspferde, hier  in bester Manier (Quelle: Menzendorf Archiv)

Erinnert sei auch an eine Reihe bester Trakehner Geländepferde, die in den vergangenen Jahrzehnten national und international erfolgreich waren, so Habicht (Martin Plewa) , Grand Prix, Windfall u. Seacookie (Ingrid Klimke), White Girl u. Kunta Kinte (Peter Thomsen), Karascada (K.-S. Meyer). Während der Reitsport ganz allgemein sich schon seit einigen Jahrzehnten zu einem Breitensport entwickelt hat, erfuhr auch der reiterliche Vielseitigkeitssport eine erhebliche Änderung, indem die Wegestrecken und die Rennbahn entfallen sind. Zentrales Element der Geländeprüfung ist die Querfeldeinstrecke, die in den höheren Klassen (Viersterne) jedoch heute eine wesentlich größere Zahl anspruchsvollere Hindernisse als früher aufweist und in einem vergleichsweise höheren Tempo zu absolvieren ist. Auch die Anforderungen in der Dressur als Auftaktprüfung (verlangt u.a. Seitengänge und mehrfache fliegende Galoppwechsel) und im abschließenden Springen (Höhe der Sprünge 1,20-1,30 m) sind deutlich gestiegen. Das Reglement unterscheidet gegenwärtig zwischen zwei Ausführungstypen, dem CCI (Concours Complet International) und dem CIC (Concours International Combine`), wobei ersterer mit 6000 – 6700 m die doppelte Distanz aufweist wie der zweite. Diese Wettbewerbe werden darüber hinaus in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausgetragen angefangen bei der Einsterne- bis hin zur Viersterneprüfung. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass nur diejenigen Reiter /innen und Pferde diesen großen Herausforderungen gewachsen sind, die über eine fundierte und solide vielseitige Grundausbildung verfügen. Im Hinblick auf die Sicherheit ist auch ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Reiter und Pferd unerlässlich. Dies setzt wiederum ein entsprechendes Konditionstraining voraus. Alle diese Veränderungen kommen den Trakehner Pferden mit ihrem ausgeglichenen Temperament und raumgreifenden schwungvollen Bewegungen als einer reingezüchteten modernen Reitpferderasse mit einem hohen Vollblutanteil entgegen. Sweetwaters Ziehten und Isselhorst`s First Sight wie auch noch viele andere Vertreter dieser Edelpferdrasse und deren spektakuläre Erfolge beweisen, dass sie auf den vorderen Plätzen in den heutigen Vielseitigkeitswettbewerben bestens mithalten können. Ein künftig starker züchterischer Einsatz dieser beiden exzellenten Sportler wäre wünschenswert. 

Dr. Horst Willer (Januar 2021)